Alternative Wege zur Kunst – Artotheken

Photo: Artothek Köln (Museum Ludwig)

Photo: Artothek Köln

Kunst ohne kalte Füße. Gerade im Winter klingt das verlockend: Nicht mit matschnassen Stiefeln in Museen stehen, sondern beim Kunstgenuss gemütlich auf dem Sofa sitzen. Der Werkverleih von Artotheken macht es möglich. Von Falk Ebinger


Es gibt zwei Wege zur Kunst: Man geht zu ihr, oder man nimmt sie mit nach Hause. Den physischen Zugang zu Kunst universell zu ermöglichen, ist der Auftrag öffentlicher Kulturförderung und private Initiativen. Dieser außerhäusige Kunstkonsum ist wohl der Weg, den die allermeisten von uns nehmen. Kunst in die eigenen vier Wände zu holen, bleibt meist ambitionierte Sammler und risikofreudige Investoren vorbehalten. Es setzt Kenntnis, Zugang zu Künstlern und Galerien sowie die entsprechenden finanziellen Mittel voraus. Denkt man.

Was hingegen kaum bekannt ist: Es gibt eine Alternative zum Kauf: Man kann Kunstwerken „für den Heimgebrauch“ kostengünstig bei Artotheken und Graphotheken leihen. Artotheken kann man sich dabei wie eine Bibliothek für Kunstwerke vorstellen, Graphotheken sind auf Grafiken spezialisiert. Die erste Einrichtung dieser Art wurde 1968 mit der Graphothek Berlin eröffnet. Derzeit gibt es über 130 solcher Häuser in Deutschland. Sie werden von öffentlichen Bibliotheken, Kulturämtern, Museen oder Kunstvereinen getragen und bieten originale Werke aktueller Kunst kostenlos oder gegen geringe Gebühr zur Entleihung an. Alle zwei bis vier Monate kann man also den Platz über dem häuslichen Sofa mit einem neuen Werk schmücken. Oder sich an einer Skulptur oder Plastik erfreuen.

Die Idee ist ebenso genial wie einfach: Neben dem Wunsch, „der Kunst ein neues Publikum zu gewinnen“, haben sich die Artotheken von Anfang an zum Ziel gesetzt, Kunst und Künstler zu fördern. So landen Kunstwerke in privaten Räumen. Dem Entleiher als auch seiner Familie und Besuchern wird die Möglichkeit gegeben, sich damit in Ruhe auseinanderzusetzen. Das ist ein deutlich größerer und heterogenerer Kreis, als es ihn je in Galerien oder Museen ziehen würde. Gleichzeitig verstaubt Kunst nicht ungesehen in den Magazinen von Museen und Kunstvereinen – öffentliche Ausstellungsfläche ist knapp und kostspielig – sondern findet einen alternativen Weg in die Öffentlichkeit.
Anders als beim Kauf muss der Kunde dabei nicht über fundierte Kenntnisse verfügen, um in den Genuss anspruchsvoller Arbeiten zu kommen: Oft übernimmt eine Jury aus Experten die Auswahl der Stücke, die aus den Beständen von Museen oder aus Schenkungen kommen oder auch, gerade bei aktuellen Werken, speziell für die Artotheken angekauft werden. Damit sind wir bei einem weiteren positiven Effekt des Verleihbetriebs: Artotheken betreiben Künstlerförderung, indem sie Werke aufkaufen und erstmals der Öffentlichkeit zugänglich machen. Gelegentlich können die Artotheken im Kontext einer Entleihung oder der Präsentation im Bestandskatalog auch den Kontakt zwischen einem Kaufinteressierten und dem Künstler herstellen.
Ein Verzeichnis der Artotheken und Graphotheken findet sich auf der Seite des Artothekenverband Deutschland. Eine ist bestimmt auch in Ihrer Nähe.

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