Carsten Fock „Rave“ – Ein Ausstellungsbericht (1/2)

Carsten Fock RAVE

Vom 08. November 2013 bis zum 25. Januar 2014 fand in der Galerie Karl Pfefferle in München Carsten Focks Ausstellung „Rave“ statt. Bronnbacher Alumni Thorsten Grohsjean hat seine Gedanken und Eindrücke dazu aufgeschrieben:Von Thorsten Grohsjean.

Vielleicht Winter 2005. Eine Gruppe junger Männer und Frauen besucht eine Galerie irgendwo in Frankfurt am Main. Die Galerie zeigt Bilder von Carsten Fock und es gibt Pizza aus Pappschachteln und Softdrinks zum Mittagessen. Irgendwann während des Besuchs der Galerie löse ich mich aus der Gruppe, laufe durch die Hinterräume der Galerie und finde auf einem Tisch einen Katalog mit blauen Filzstiftzeichnungen. Auf dem Frontcover steht „Carsten Fock“ „All you can eat“ über einem gekrönten Totenschädel und etwas, das an einen Pudel erinnert. Ich blättere durch den Katalog und habe das Gefühl, Dinge zu sehen, die ich kenne und von denen ich mich angezogen fühle. Jahre später wird Carsten Fock sagen, dass er damals viel Nick Cave gehört habe. Ich auch. Auf einer Seite steht in dicken Lettern „ich war Teil einer Jugendbewegung“. Ich muss lachen. Es ist der Tag an dem, ich entscheide, dass man Kunst kaufen muss wie Popmusik, sie muss einen berühren, zu einem sprechen und Dinge hervorrufen, die man längst vergessen hat oder aber noch gar nicht kennt. Und es ist der Tag an dem ich den Preis für das schönste Verschwinden gewinne. Ich verlaufe mich in Frankfurt, denke an das was ich gesehen habe und wünsche mir irgendwann mal Carsten Fock zu treffen.

Sicher Winter 2013. Wieder befinde ich mich in einer Galerie. Diese Mal ist es in München. Das Blau ist geblieben. Es heißt nun focksches Blau, ist eher ein blauviolett, erinnert an die Gewänder von Priestern in der Fastenzeit oder im Advent und ziert die Wände des ersten Raums der Galerie Pfefferle, die Werke von Carsten Fock unter dem Titel „Rave“ zeigt. Auf dem Blau hängen Zeichnungen und Malereien. Das Sloganhafte ist verschwunden. Stattdessen gibt es Zeichnungen mit konkreten Motiven. Das monochrome Blau aus dem Katalog ist einer Vielfalt an Farben gewichen. Und zwischendurch immer wieder rein abstrakte, flächige Zeichnungen, die dem Betrachter die Vielfalt des Betrachtens ermöglichen, ihn nicht einengen in seinen Gedanken. Aber da sind auch großformatige Malereien. Im sich anschließenden Raum an dessen Wände kleinformatige Zeichnungen hängen, ist ein Altar aufgebaut. Totenlichter huldigen einer Zeichnung auf der sich Heidegger findet. Über eine Treppe gelange ich in den letzten Raum. Ein klaustrophobisches Braun lässt an Bunker erinnern, obwohl ich nie einen Bunker gesehen habe. An der Wand hängen großformatige Schlachtenbilder und am Kopfende des Raumes gibt es eine Serie von drei Filzstiftzeichnungen. Der Watzmann, Jesus am Kreuz und wieder Heidegger. Er habe viel gelesen, vor allem Heidegger, Kierkegaard und Wittgenstein, wird Carsten Fock später biertrinkend im Gespräch mit Susanne Gaensheimer sagen. In Wien könne man ja nichts Anderes machen außer essen, arbeiten, joggen und lesen. Ich erinnere mich an Thomas Bernhard, der die Stadt und das Land nicht mochte. Aber Berlin ist wohl schlimmer, jedenfalls laut Fock. Wieso ziehen Menschen da eigentlich hin? Um sich zu suchen/finden oder zu verlieren, wie Carsten Fock sagt. Aber das erklärt nicht, warum sie nicht wieder wegziehen bzw. warum sie dorthin zurückkehren. Nach dem Interview scharen sich Trauben von Menschen um den Künstler. Ich gehe noch einmal durch die Ausstellung. Dasselbe Gefühl wie vor acht Jahren. Etwas, das ich kenne, das zu mir spricht. Zum Schluss möchte ich mit Carsten Fock reden, aber noch immer stehen Menschen um ihn herum. Er wirkt nervös und möchte rauchen. Ich verschwinde nach Hause. Dieses Mal finde ich den Weg.

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