Ein Tag in Wiesbaden

Ein Bericht von Michael Nellen

Ein Mitfahrergutschein der Bahn brachte mich auf die Idee eine Kurzreise zu tun. Eine Stadt in der Umgebung, die man noch nicht oft besucht hat, deren Leben aber auch an einem Sonntag nicht ganz zum Erliegen kommt. Wiesbaden? Wiesbaden!

Der Veranstaltungskalender der Stadt machte mich auf den Tag der offenen Ateliers im Kunsthaus (Schulberg 10, 65183 Wiesbaden) aufmerksam. Künstler, die auf Stipendienbasis dort Ateliers gestellt bekommen, öffneten die Pforten und luden zu intimen Einblicken in den Entstehungsprozess ihrer Kunst ein.

Vertreten war eine Mischung aus Malern, Fotografen sowie eine Skulpteurin.

Vormittags lag Ruhe über dem Haus. Man hörte entfernt gedämpfte Stimmen, ein leises Knarzen der Dielen und zarte Musik aus dem ein oder anderen Atelier. Das Ruhige, Vertrauliche, als man durch die abgerockten Flure von Atelier zu Atelier schlenderte, weckte Erinnerungen an Bronnbacher Wochenenden: “Bronnbach light” in Wiesbaden.

Ein sehr anregendes Gespräch ergab sich mit Nicole Ahland. Sie fotografiert hauptsächlich Innenräume, oft mit hohem Abstraktionsgrad, was ihr auch durch die analoge Fotografie möglich ist.

An den meisten der fotografierten Orte verbringt sie eine Nacht, um ein Gefühl für den Raum zu bekommen. Denn, so sagt sie, jeder Raum verbreite sein ganz persönliches Ambiente, das der Mensch aufzunehmen im Stande ist. Sie versuche genau das in ihren Bildern festzuhalten.

Aufgrund des teils hohen Abstraktionsgrades braucht das Auge des Betrachters oft einige Zeit, um mit den abgebildeten Formen, Kontrasten und Schatten zurecht zu kommen. Ihre Kunst ist nichts für Ungeduldige. Zugegeben, auch mir stellte sich schnell die Frage: “Was/wo ist das?” Das weckt Interesse. Mich fesselten die Bilder, denn das Medium Fotografie, das man aus der Bildberichterstattung als eines kennt, das auf den ersten Blick alles Wesentliche erkennen lässt, wird hier völlig gegenteilig verwendet.

Es geht Nicole Ahland darum, die Räume losgelöst von Ort und Zeit, den beiden bestimmenden Koordinaten des Menschen, abzubilden. Vielleicht ist es auch gerade das, was den ein oder anderen Betrachter ungeduldig werden lässt: Er kann diese beiden essentiellen Informationen nicht aus den Bildern entnehmen. Für mich schien diese Herangehensweise sogar notwendig. Es ist gut, sich einmal von diesen beiden den Alltag dominierenden Wegweisern zu lösen und sich ganz auf das vom Raum ausgehende Ambiente einzulassen.

Offene Ateliers bieten eine tolle Möglichkeit, auch außerhalb des Bronnbacher Programms weiterhin in direkten Kontakt mit Künstlern verschiedenster Fachrichtungen zu treten. Ich kann es jedem empfehlen, der sich manchmal ein bisschen Bronni-Feeling in den Alltag wünscht. Nehmt Freunde, Familie oder niemanden mit und taucht für ein paar Stunden ab.

Ateliers öffnen sich immer wieder und überall:

Außerdem gibt es hier weitere Infos zum Kunsthaus Wiesebaden und zu Nicole Ahland.

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