Literaturwochenende mit Stefan Weidner

Erzählt von Falko Gauß, 13. Jahrgang

Im Dachstuhl der Klosterkirche Bronnbach

Im Dachstuhl der Klosterkirche Bronnbach

Zurück im Kloster Bronnbach. Diesmal zum Literaturwochenende. Vieles hier ist nun schon routinierter und wesentlich vertrauter als beim ersten Mal. Dass Bronnbach trotzdem immer wieder mit unbekannten Perspektiven aufwartet, erlebten wir zunächst bei einer Führung durch den Dachstuhl der Klosterkirche. Beim anschließenden Konzert des Pianisten Fabian Müller und der Streichmusiker des Goldmund Quartetts konnten wir der wundervollen Musik von Ravel, Bartók, Beethoven und Haydn lauschen. Aber Halt, bevor wir lauschen durften, hörten wir die Erklärungen von Fabian Müller. Er versuchte die Musik für seine Zuhörer zu erklären, zu interpretieren, ja fast zu übersetzen.

Aber warum braucht es eigentlich diese Erklärungen? Sollte die Musik als solche nicht für sich stehen und unvoreingenommen rezipiert werden? Und wenn ja, gibt es einen solchen unvoreingenommenen und naiven Blick noch in eine Zeit in der wir vom Atom bis zum Sonnensystem scheinbar alles verstanden haben? Halten wir es überhaupt noch aus, etwas nicht sofort zu verstehen und etwas nicht direkt in eine Schablone pressen zu können?

Solche und ähnliche Fragen richteten wir direkt im Anschluss an das Konzert an Fabian Müller, der im Nachgespräch auch offen über seine Arbeit als Musiker und das Spannungsfeld zwischen künstlerischer Freiheit und wirtschaftlichen Notwendigkeiten berichtete.

Falko Gauß

Falko Gauß

Am nächsten Morgen galt es dann selbst zu erklären, zu interpretieren und zu übersetzen. Nämlich die Josephs Sure des Koran. „Eine irgendwie vertraute Stelle im mir eigentlich fremden Koran“, dachte ich mir beim ersten Durchsehen des Textes. Das Übersetzen gestaltete sich dennoch mühselig, es ging nur langsam in kleinen Schritten voran. Pedantisch stritten wir um die Bedeutung einzelner Worte. Wie übersetzt man sie und wie interpretiert man sie? Verstehen wir sie bereits? Kann man sie überhaupt übersetzen, ohne dass zu viel der ursprünglichen Bedeutung verloren geht?

Wir haben uns Mühe gegeben und es entstanden sicherlich brauchbare Übersetzungen. Doch trotzdem blieben Brüche, es blieb Unverstandenes, Unübersetztes und vielleicht auch Unübersetzbares. Halten wir das aus?

Ich für meinen Teil war froh dann den Abend entspannt mit Gedichten des arabischen Gelehrten Ibn Arabi, unterhaltsam vorgetragen von Stefan Weidner, orientalischen Klängen und Wein ausklingen lassen zu dürfen. Es wurde gelacht und die mühselige Übersetzung der gestrengen Koranverse war so für mich auf einmal weit weg.

Am Sonntag dann sollten wir ein Foto wählen und versuchen das Motiv und seine Stimmung in einem Text festzuhalten. Quasi das Foto übersetzen in Textform. Ich entschied mich für ein Foto, das ein Mädchen zeigt, wie es von weit oben herunterblickt. Vielleicht ein wenig so wie ich am Freitag zuvor durch eine Scharte vom Dach der Klosterkirche heruntergeblickt hatte. Möglicherweise fiel mir deshalb das Übersetzen jetzt leichter. Aber wie am Tag zuvor blieb auch diesmal Unübersetzbares – das japanisch anmutende Kleid des Mädchens auf dem Foto beispielsweise, das mich an einen kürzlich gesehenen Horrorfilm erinnert.

Ich halte es aus, was bleibt mir schon anderes übrig?!

Schreibwerkstatt

Schreibwerkstatt mit Stefan Weidner

Alles in allem startete das Literaturwochenende in meinen Augen ruhiger, unterschwelliger und vielleicht auch etwas langsamer als andere unserer bisherigen Wochenenden. Es entwickelte sich dann aber immer mehr, wurde humorvoller und intensiver mit Diskussionen bis spät in die Nacht. Was mir im Gedächtnis bleiben wird, ist die Erinnerung an ein feinsinniges und intellektuell sehr forderndes Wochenende. Mit der Aufgabe Unverstandenes und Unerklärbares fortan auch manchmal einfach aushalten zu müssen, bleibt ein Imperativ der in meinem Alltag sicher noch lange Zeit mitschwingen wird.

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