Blau. Unendlich.

von Stefa Hirsch

4. Jahrgang / Bronnbacher_Blick art@home

Womit möchte ich mich zu Hause umgeben, was an die eigenen Wände hängen? Damit habe ich immer wieder experimentiert. Lange unbedacht und beiläufig; spätestens seit meinem Bronnbacher Jahr immer bewusster. Und ich hatte viel Gelegenheit dazu. Sechs Mal bin ich seither umgezogen – Mannheim – Bonn – Bonn – Maastricht – Maastricht – Berlin – Berlin.

Mit meinem Bewusstsein (und sicher auch mit meinem Einkommen) wuchs die Bereitschaft, Geld für Kunst auszugeben. Aber wofür? In den letzten Wohnungen gab es immer wieder Leerstellen für etwas, das mir noch begegnen sollte. Ich wollte es nicht erzwingen. Mir gefiel einiges, zu nichts konnte ich jedoch richtig ja sagen. Mir fehlten die Kriterien.

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„Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; aber das Größte von diesen ist die Liebe“ (1. Korintherbrief, 13:13)

von Konstantin Adamopoulos

Kunstjournalist, Prozessbegleiter und Kurator des Bronnbacher Stipendienprogramms / Bronnbacher_Blick art@home

Konstantin 1Das Milchmädchen bekam ich als Geschenk von Carsten Fock. Er war gerade noch Student an der Frankfurter Kunsthochschule „Städelschule“ in der Klasse von Per Kirkeby, dieser ungeheuren Malerpersönlichkeit. Das muss 1998 gewesen sein. Offensichtlich mochte mich Carsten. Das Motiv der Postkarte hatte er mit unzähligen silbrigen Filzstiftstrichen binnengerahmt. Die in sich selbst kitschige Finnlandpostkarte mit dem klischeehaften Mädchenlächeln und dem zur Kamera hin ganz leicht gedrehtem Körper in einer Art „Pseudotracht“ hat als Zentrum die beiden Hände, die ein volles Glas Milch dem Betrachter und der Betrachterin darzureichen scheinen. Carsten ging mit seinen Silberstrichen zum Teil über die rechten Puffärmel der Milchwerbefrau, was ihren einen Oberarm gegenüber dem zweiten deutlich verschmälert.

Diese übermalte Postkarte begleitet mich nun 20 Jahre und sie berührt mich sehr sehr oft. Manchmal muss ich sogar einen Kloß im Hals runterschlucken, wie auch gerade jetzt. Continue Reading →

Warme Melancholie

von Philipp Bremer

14. Jahrgang / Bronnbacher_Blick art@home

Der Hintergrund ist dunkelblau. Sie selbst ist lila, auf weißem Gerüst – und sie brennt. Andauernd. Ewig. Fortan. Viel mehr ist da nicht. Der Rahmen ist hochkant, auch dieser ist dunkelblau. Es hängt in der Ecke. Im ersten Moment nicht besonders stark. Die Hälfte fast verdeckt. Die Flamme, das Licht ist aber auf der anderen, auf der freien Seite. Und hat man sie erstmal gesehen, so vergisst man sie so schnell nicht. Dann leuchtet sie, bekanntermaßen sozusagen. Unscheinbar und doch im Herzen hell.

KerzeMeine Großmutter hat immer schon gemalt – groß, große Leinwände. Weitschweifende abstrakte Naturbilder. Ihre letzten vier Bilder waren simpel und alle ähnlich. Vier Kerzen. Nicht anderes. Jeweils eine Kerze. Für vier ihrer sieben Enkelkinder. Drei Enkellinnen und ein Enkel.

Meine Kerze ist lila, auf weißem Gerüst – und sie brennt. Andauernd. Ewig. Fortan.

Für mich. Für alle.

 

Kunstgenuss für jeden Tag

von Falk Kastell

Künstler und Referent des Bronnbacher Stipendiums / Bronnbacher_Blick art@home

Zutatenliste für ein künstlerisch bereichertes Wohnambiente, mit verbessertem Lebensgefühl:

2-3 Fotografien (Portrait und Landschaft)
4 Gemälde (Öl-, Abstrakte und Acrylmalerei)
Ein paar schöne Zeichnungen
viel Licht –
gelegentlich ein paar schöne Blumen vom Markt
und reichlich Liebe bei der Auswahl.

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Die Braut

von Xenia Kentz

14. Jahrgang / Bronnbacher_Blick art@home

Auf meiner Reise durch Usbekistan im vergangenen Sommer habe ich auf einer Zugfahrt die Bekanntschaft mit einem jungen Usbeken gemacht. Wir kamen am späten Abend in Bukhara an und er hat angeboten, mir am darauffolgenden Nachmittag „seine“ Stadt zu zeigen.

Am nächsten Tag ging ich in Bukhara zunächst einmal selbst auf Entdeckungstour. Beim Durchstreifen der historischen Altstadt blieb ich immer wieder an Ständen hängen, an denen Künstler ihre Zeichnungen und Malereien auf Seidenpapier verkauften. Filigrane Linien und zarte Tupfen in kräftigen Farben formten auf dem hauchdünnen Papier Landschaften, historische und gesellschaftliche Szenen, Ornamente oder einfach nur nationale Symbole wie den Granatapfel. Ich bereue es immer noch so sehr, dass ich mir damals nicht etwas gekauft hatte. Ich konnte mich nicht für eine bestimmte Arbeit entscheiden und dachte, dass ich sicher auch noch in einer anderen Stadt fündig werden würde. Leider habe ich solche schönen Kompositionen sonst nirgendwo mehr entdeckt.

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Watzmann

von Carsten Fock

Malerstar, Weltreisender und Referent des Bronnbacher Stipendiums / Bronnbacher_Blick art@home

Gerade habe ich noch meine Studios in München und Wien,
aber seit Januar ein Leben in Hotels und permanent unterwegs – eigentlich wie immer.

Was ich stetig dabei habe – s/w Postkarten vom Berg der Deutschen,
der deutschen Romantik – der Watzmann. Continue Reading →