The Art of Music, ein Bericht über die Ghetto Classics, einem Kultur-Projekt in den Slums von Nairobi

von Anna-Sophie Brüning, Dirigentin, Initiatorin und Akteurin mehrerer Kulturprojekte im In-und Ausland und Referentin des Musikwochenendes des 15. Jahrgangs des Bronnbacher Stipendiums*

Kannst du vielleicht die Fenster zumachen, frage ich einen jungen Geiger? Großes Gelächter. Hier hat schon viele Jahre niemand mehr ein Fenster zugemacht. Der Wind weht fortwährend alle Notenblätter von den Pulten und der Gestank, der mit dem Wind hereinkommt, ist bestialisch. Den zweiten Stock des Hauses, das die Ghetto Classics beherbergt, kann man nur erreichen, wenn man sich die Nase zuhält. Der Geruch der Toiletten aus dem Erdgeschoss wird jedoch im ersten Stock sofort durch den noch viel schlimmeren Geruch nach brennendem Plastik abgelöst. Ungefähr zwanzig Meter neben dem fensterlosen Probenraum beginnt die grösste Müllhalde Nairobis und die brennt und brennt, soweit das Auge reicht.

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Elizabeth Njoroge, eine Frau, von der alle nur mit grösster Hochachtung sprechen, bringt mich morgens um zehn Uhr in den Slum nach Korogocho. Continue Reading →

Being safe is scary (?)

Ein Bronnbacher_Blick auf die documenta 14
von Rebecca Ullrich, Bronnbacher Stipendiatin

Meine documenta-Premiere beginnt mit der Erkenntnis, dass das Schlusswochenende nicht unbedingt der günstigste Zeitpunkt für einen Besuch ist. Spät- und Kurzentschlossene nutzen die letzte Möglichkeit und strömen zu den Ausstellungsorten in Kassel. Dementsprechend bilden sich Schlangen, die leicht abschreckend wirken. Aber gut – rein ins Getümmel.

Ausgangspunkt für meinen Spaziergang bildet der Friedrichsplatz im Herzen der Stadt. Der breit besprochene Parthenon der Bücher ist mit Ausnahme der Front schon wieder zurückgebaut, und daher eher ein großes, karges Skelett aus Stahl. Ich bin ein wenig enttäuscht darüber, den kompletten Anblick des Parthenons verpasst zu haben. Gleichzeitig macht sich Orientierungslosigkeit breit, da ich mich inhaltlich nicht vorbereitet habe. Wohin nun also?

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Drei Tage und einige schlaflose Nächte

Ein Bronnbacher_Blick auf die documenta 14
von Xenia Kentz, Bronnbacher Stipendiatin

Dieses Jahr war es soweit: vor einigen Wochen habe ich meine erste documenta besucht. „Meine erste“ – ich habe diese Formulierung eines guten Freundes übernommen, der in Kassel Kunstgeschichte studiert hat und für den es schon „seine dritte“ war.

Ich hatte das Vergnügen, mit dem besagten Kunsthistoriker und einer weiteren kunstbegeisterten, ehemaligen Kasseler Studentin und guten Freundin drei Tage in Kassel zu verbringen. Continue Reading →

Literaturwochenende mit Stefan Weidner

Erzählt von Falko Gauß, 13. Jahrgang

Im Dachstuhl der Klosterkirche Bronnbach

Im Dachstuhl der Klosterkirche Bronnbach

Zurück im Kloster Bronnbach. Diesmal zum Literaturwochenende. Vieles hier ist nun schon routinierter und wesentlich vertrauter als beim ersten Mal. Dass Bronnbach trotzdem immer wieder mit unbekannten Perspektiven aufwartet, erlebten wir zunächst bei einer Führung durch den Dachstuhl der Klosterkirche. Beim anschließenden Konzert des Pianisten Fabian Müller und der Streichmusiker des Goldmund Quartetts konnten wir der wundervollen Musik von Ravel, Bartók, Beethoven und Haydn lauschen. Aber Halt, bevor wir lauschen durften, hörten wir die Erklärungen von Fabian Müller. Er versuchte die Musik für seine Zuhörer zu erklären, zu interpretieren, ja fast zu übersetzen. Continue Reading →

Malereiwochenende mit Carsten Fock

Carsten inmitten des 13. Jahrgangs

Erzählt von Joachim Weber, 13. Jahrgang

Kunst lebt von dem Unvermögen, dem Nichtkönnen.

Während das Einführungswochenende sehr durch lebhaften Austausch untereinander geprägt war, war das Malereiwochenende fast meditativ. Stundenlanges Malen, Reflektieren, Wagen, Scheitern, Gewinnen. Im Fokus lag der Prozess.
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